Träges Wissen

Das Phänomen des “Trägen Wissens” beschreibt die Kluft zwischen Wissen und Handeln (Mandl) die wir insbesondere bei Hochschulabgängern beobachten können. Stellen Sie sich vor, eine soeben promovierte Ärztin soll Sie am Herzen operieren, oder ein frisch examinierter Diplom-Kaufmann wird mit der Führung eines Unternehmens beauftragt. Das leichte Unbehagen, dass wir bei einer solchen Vorstellung haben resultiert weniger aus einem vermuteten Manko bei theoretischem Wissen, als vielmehr an den Zweifeln an der richtigen Umsetzung dieses Wissens.

Verschiedene Studien belegen, dass diese Zweifel begründet sind. So konnten in einer Studie von Mandl Pädagogen im Rahmen eines betriebswirtschaftlichen Planspiels bessere Ergebnisse erzielen als Diplom-Kaufleute. Obwohl diese das notwendige theoretische Wissen nachweisbar besaßen, waren sie nicht in der Lage es in der “konkreten” Planspielsituation anzuwenden.

Dieses Phänomen nennt man “Träges Wissen”. Es betrifft einen Großteil des in Schulen und Hochschulen vermittelten Wissens und beschreibt vor allem ein Transferproblem. Die wenig anwendungsbezogene, oft abstrakte, systematisierte Form der Wissensvermittlung trägt dazu bei, träges Wissen zu erzeugen. Diese Form des Lehrens wird der Komplexität der Realität selten gerecht und ist somit – nach konstruktivistischem Verständnis – nur unzureichend mit dem Anwendungskontext verknüpft.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *