Traditionelle Vermittlungsformen

333 – Bei Issos Keilerei

Wer kennt diesen Satz nicht. Das Paradebeispiel für auswendig gelernte Merksätze, die der Pauker geradezu genüsslich in die Köpfe der Schüler eintrichtert(e). Dabei kann man sich den Lehrer als Wasserhahn vorstellen, der durch das Medium Sprache, die Lernenden mit Wissen befüllt. Entscheidend ist die Vorstellung, dass die Dauer der Einwirkung die maßgebliche Größe für den Lernerfolg darstellt. Der Schüler hingegen wird als Passivum gesehen. Sein Kopf gleicht einem Luftballon, der nur mit Druck seine wahre Gestalt annehmen kann. Nach diesem Modell müsste das Gelernte bei einer Lernzielkontrolle gerade zu heraus sprudeln. Dem ist weit gefehlt. Deshalb bedienen sich die “traditionellen Wissensvermittler” einer zusätzlichen Anschauung. Das Gehirn eines Lernenden stellt man sich als Schwamm vor, das wieder nur mit “Gewalt” die gespeicherten Wissenselemente von sich geben kann.

Aus dieser Ansicht ergeben sich einige methodische Konsequenzen: ·

  • Lohn und Strafe sind die Säulen jeden Unterrichts
  • Gelernt wird rezeptiv, das Wissen wird wie ein Ziegelstein in fertiger Form weitergegeben
  • Die Repräsentation erfolgt auf sprachlich-symbolischer Ebene, die Ganzheit der Lernenden wird nicht berücksichtigt.
  • Verstehendes (inhaltliches) Lernen wird selten gefordert, dafür steht das Reproduzieren im Mittelpunkt.
  • In der Schule wird deshalb der Lehrervortrag, die Einzelarbeit sowie Auswendiglernen als Stilmittel verwandt.

Fazit: Da Modelle nur ein Abbild der Wirklichkeit soll zum Kontrast ein andere Darstellung eingebracht werden. Das Gehirn des Schülers ist ein mit Schwefelsäure gefülltes Behältnis. Das Wissen wird vom Lernenden gefordert, so wie die Schwefelsäure die in der Luft befindlichen Dampfteilchen in sich einverleibt. Der Lehrer sprüht mit der Atemluft ebenfalls feinste Wasserteilchen in die Umgebung der Schüler. Sein Wissen wird dem Schüler bereitgestellt, so dass unter günstigen Bedingungen sich langsam der Kopf füllen kann.

Frei nach: Wolfgang Metzger, Stimmung und Leistung, Braunschweig 1967

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