Lernen aus konstruktivistischer Sicht

AUS: Prof. Dr. Uwe Beck: Lernpsychologische Befunde berücksichtigen, Lernerfolg und Transfer sichern. IN: MML – Qualifizieren mit multimedialen Lern- und Informationssystemen. S. 10/11.

Der Erwerb transferbereiten Denkens und Handelns hängt also ab von der Gestaltung des Lernprozesses, der Lernumgebung und von der Art und Weise, wie Wissen erworben wird. Wir listen im folgenden Merkmale auf, wie aus konstruktivistischer Sicht Lernen erfolgen sollte

  • Der Lernende muss sein Wissen eingebettet in Zusammenhänge
    und Situationen erwerben.
  • Lernkontexte sollten möglichst authentisch sein, d.h., es
    sollten keine künstlichen isolierten Probleme, sondern Problemsituationen
    aus der Umwelt, der Arbeitswelt des Lernenden, genommen werden.
  • Der Lernende muss Situationen systematisch abändern können
    (indem er Daten verändert, Situationen vereinfacht, um so zu
    ersten Lösungsansätzen zu kommen, Alternativen betrachtet, Probleme
    umformuliert, usw.), die Auswirkungen seines Handelns beobachten
    können und Folgerungen für späteres Handeln daraus ableiten
    können. Dadurch werden heuristische Strategienerworben, operatives
    Denken und Handeln möglich.
  • Der Lernende muss aus der Spezialität einer Realsituation
    durch Abstraktion und Verallgemeinerung die zugrunde liegenden
    allgemeinen Aussagen, Regeln, Strukturen, transferierbaren Ideen
    herausarbeiten oder erkennen. Eine bewusste Organisation dieser
    Aktivität durch und mit dem Trainer ist bedeutsam Das ausschließliche
    Lernen in realen Situationen kann dazu führen, dass für den
    Lernenden die Spezifik der Situation im Vordergrund steht und
    weniger das Allgemeine. Für Transferkompetenz sind allgemeines
    Wissen und allgemeine Strategien bedeutsam. Ein bewusste Phase
    im Lernprozess, in dem eine “Abstraktion durch Rückschau” auf
    das bisher Gelernte im Sinne der Verallgemeinbarkeit erfolgt,
    ist erforderlich und benötigt oft den kompetenten Gesprächspartner,
    den Trainer.
  • Erworbene Strategien sollen vom Lernenden in verwandten realen
    Situationen angewendet werden und, wenn möglich, auf unbekannte
    neue Situationen teilweise übertragen werden können.
  • Der Lernende muss sein Wissen über den Lerngegenstand und
    seine Bedeutung selbständig herstellen und aufgrund seiner eigenen
    Erfahrungen konstruieren. Selbsttätigkeit schafft intensivere
    Eigenerfahrung, bessere Merkfähigkeit des Gelernten, stärkere
    Integration in das persönliche Wissensnetz.
  • In der Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand muss der
    Lernende die Möglichkeit haben, verschiedene Perspektiven und
    Betrachtungsweisen einzunehmen. Deutlich tritt diese Anliegen
    zutage, wenn beispielsweise Produkte in der Ganzheit ihres Lebenszyklusses
    betrachtet werden: Rohstoffgewinnung, Konzeption und Entwurf
    des Produktes, Produktion, Vertrieb, Kostenkalkulation, Marketing,
    Belastung der Arbeiter und Verbraucher, Entsorgung und Umweltbelastung,
    betriebliche und volkswirtschaftliche Kosten. Das heißt, der
    Lernende muss beim Lernen die Vielfalt der Bezüge und die Bedeutung
    des Lerngegenstandes erfassen. Dies fördert vernetztes Denken,
    reichhaltiges Denken, Soziale Verantwortlichkeit.

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